Chakras – Mythos oder Wahrheit?

Lokalisation der 7 Hauptchakras im Körper

Der Begriff Chakras stammt aus dem Sanskrit und bedeutet soviel wie Räder, Scheiben oder Kreise. Darüber hinaus wird auch eine Wurfwaffe von Vishnu, dem Erhalter der Welt, so bezeichnet. Im Körper manifestieren sich diese Energiezentren als runde Geflechte, die über Nadis (Energiekanäle) miteinander in Verbindung stehen. Auf diese Weise wird Prana (unsere Lebensenergie) in alle Richtungen verteilt. Dementsprechend stellen sie Verbindungspunkte zwischen unserem physischen Körper und dem subtilen Astralkörper dar. Man unterscheidet zwischen Haupt- und Nebenchakras. Von den sieben Hauptchakras hast du bestimmt schon einmal gehört. Schließlich ist diese Auffassung in Yogakreisen sehr populär. Ist eines dieser Chakras blockiert, kann das zu einer Dysbalance im Organismus und zu physischen oder emotionalen Problemen führen. Denn: jedes dieser Energiezentren korreliert mit neurologischen Funktionen, körperlichen Organen und dem endokrinen System.

Chakras – alles nur Esoterik?

Ich muss gestehen: als naturwissenschaftlich geprägter Mensch habe ich zunächst die Stirn gerunzelt, als mir das Konzept vor mehreren Jahren begegnete. In bildgebenden schulmedizinischen Verfahren wie MRT lassen sie sich weder nachweisen noch aufspüren, denn sie befinden sich ja auf der feinstofflichen Ebene. Dementsprechend existiert keine verlässliche bzw. wissenschaftlich anerkannte Methode deren Vorkommen zu beweisen. Dennoch findet das Konzept auch in der westlichen Schulmedizin immer mehr Anklang. Nur, weil etwas unserem Auge verborgen bleibt, heißt es ja nicht automatisch, dass es nicht real ist. Das beste Beispiel hierfür stellen myofasziale Spannungszustände als Hauptursache für Schmerzen dar. Auch die lassen sich nicht in der Röhre oder im CT abbilden. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache.
Nachfolgend stelle ich dir die sieben wichtigsten im Kurzportrait vor.

Die sieben Hauptchakras

Die Hauptenergiezentren im Körper verlaufen entlang der feinstofflichen Wirbelsäule – der Sushumna. Jedes der einzelnen Chakras besitzt eine bestimmte Anzahl von Blütenblättern und lässt sich durch diverse Symbole darstellen. Darüber hinaus kannst du gezielt darauf meditieren, indem du dir z.B. die entsprechende Farbe visualisierst. In jedem der Hauptchakras herrscht sowohl ein bestimmtes Tier als auch ein spezieller Aspekt Gottes vor. Weiterhin ist allen sieben Stück ein persönliches Bija-Mantra zugeordnet. Eines davon kennst du unter Garantie: “Om”, welches das Ajna-Chakra repräsentiert. Mithilfe dieser genannten Charakteristika kannst du deine Energiezentren ganz gezielt ansteuern und aktivieren.

Muladhara – das Wurzelchakra

Symbol des Muladhara-Chakras
Muladhara-Chakra

Das erste der sieben Hauptchakras befindet sich am unteren Ende der Wirbelsäule. Deshalb korreliert es mit der Beckenbodenmuskulatur und bildet den Sitz des Erdelements. Es besteht aus vier roten Blütenblättern – mit anderen Worten: das Chakra enthält vier Hauptnadis. Zur Meditation kannst du das Bija-Mantra “lam” nutzen oder dir auch einen Elefanten vorstellen, das entsprechende Chakra-Tier. Als göttlicher Aspekt herrscht sowohl Ganesha vor, der alle Hindernisse aus dem Weg räumt, als auch Brahma – der Schöpfer. Zu den positiven Eigenschaften dieses Energiezentrums zählen vor allem: Ausdauer, Ruhe, Gleichgewicht, Realismus sowie Beständigkeit. Das erste Chakra steuert den Geruchssinn und stellt damit das grobstoffliche dar. Als Yantra (geometrisches Symbol des Göttlichen) für die Meditation kannst du ein Quadrat visualisieren. Zu den Motivationen mit dem Sitz im Wurzelchakra zählt alles, was der Selbsterhaltung dient – wie Nahrungsaufnahme und Schlaf.

Svadhisthana – das Sakralchakra

Symbol des Svasthistana-Chakras
Svasthistana-Chakra

Das zweite Chakra ist am Kreuzbein lokalisiert. Es korreliert mit den Geschlechtsdrüsen und dem Becken und wird deshalb auch als Sexualchakra bezeichnet. Es steht in Verbindung mit dem Element Wasser. Um auf dieses Energiezentrum zu meditieren, kannst du das Bija-Mantra “vam” nutzen oder als Yantra eine Mondsichel visualisieren. Das Svadhisthana-Chakra setzt sich aus sechs orangenen Blütenblättern zusammen. Als göttliche Aspekte herrschen Brahma sowie Narayana. Das Chakra-Tier – ein Krokodil-Fisch – entstammt der indischen Mythologie. Dieses Energiezentrum steuert unseren Geschmackssinn. Neben Unterbewusstsein und Instinkten (Sexualität, Arterhaltung, Familie) herrschen vor allem folgende positiven Eigenschaften vor: Hingabe, Liebe, Loslassen, Gottvertrauen, Demut sowie Mitleid.

Manipura – das Nabelchakra

Symbol des Manipura-Chakras
Manipura-Chakra

Das dritte Chakra befindet sich in Höhe des Bauchnabels und strahlt über den gesamten Bereich. Darüber hinaus steuert es das Solarplexus – unser Sonnengeflecht – wo sich besonders viel Energie ansammelt. Dementsprechend steht es in Verbindung mit dem Element Feuer. Es korreliert mit den Nebennieren und der Bauchspeicheldrüse. Seine göttlichen Aspekte sind Shiva und Vishnu – also der Transformierer sowie Erhalter der Welt. Als Tier wird der Widder zugeordnet. Um auf dieses Energiezentrum zu meditieren, kannst du das Bija-Mantra “ram” nutzen oder als Yantra ein Dreieck visualisieren. Das Manipura-Chakra besteht aus zehn blauen oder auch gelben Blütenblättern. Das Energiezentrum steuert unseren Sehsinn. Zu seinen positiven Eigenschaften zählen vor allem: Kreativität, Temperament, Wahrhaftigkeit, Leidenschaft sowie Durchsetzungsvermögen. Wenn die Sonnenenergie besonders stark ausgeprägt ist, dann erhalten wir eine charismatische Ausstrahlung und können andere begeistern. Darüber hinaus ist es wichtig für unsere Darmgesundheit und sorgt für eine optimale Verdauung.

Anahata – das Herzchakra

Symbol des Anahata-Chakras
Anahata-Chakra

Dieses Chakra befindet sich in der Mitte der Brust und erstrahlt über den gesamten Bereich. Es korreliert sowohl mit der Thymusdrüse als auch mit dem Herzgeflecht, weshalb es auch als Herzchakra bezeichnet wird. Das Energiezentrum gilt als Verbindungspunkt zwischen dem Kosmischen sowie dem Individuum. Es beherbergt nicht nur die individuelle Seele (Jiva), sondern auch die allumfassende (Atman). Das Chakra steht mit dem Element Luft in Verbindung. Das Tier ist eine Antilope und als Gottheit herrscht hier Shiva. Für die Meditation kannst du das Bija-Mantra “yam” nutzen oder dir als Yantra einen sechszackigen Stern visualisieren. Das Anahata-Chakra besteht aus zwölf blauen oder auch grünen Blütenblättern und steuert unseren Tastsinn. Zu seinen positiven Eigenschaften zählen Offenheit, Toleranz, Weite, Kommunikation sowie Liebe und Hingabe. Falls das Chakra stark aktiviert wurde, kannst du in der Meditation auch sogenannte “Anahata-Klänge” wahrnehmen, die dich zu tiefen spirituellen Erfahrungen und großer Wonne führen.

Vishuddha – das Halschakra

Symbol des Vishudda-Chakras
Vishudda-Chakra

In der Mitte der Halswirbelsäule treffen wir auf das fünfte der sieben Chakras. Es korreliert mit Kehle, Schilddrüse, Hals sowie den parasympathischen Nervus Vagus. Dementsprechend steht es für Kommunikation, Ausdrucksvermögen, Verbindung und Weite. Das Chakra entspricht dem Element Äther (ein Synonym für Raum). Auch hier regiert Shiva. Als Tier gilt einmal mehr der Elefant. Wenn du darauf meditieren möchtest, kannst du das Bija-Mantra “ham” nutzen oder als Yantra einen Kreis im Dreieck visualisieren. Das Vishuddha-Chakra besteht aus 16 blau-violetten Blüten. Es steuert nicht nur unseren Hörsinn, sondern auch die beiden Hauptnadis Ida und Pingala – also Mond- und Sonnenenergie. Befindet sich das Chakra in einem guten funktionellen Zustand, dann wirken Körper, Geist und Seele in harmonischer Balance zusammen.

Ajna – das Stirnchakra

Symbol des Ajna-Chakras
Ajna-Chakra

Vom “dritten Auge der Intuition” hast du bestimmt schon einmal gehört. Gemeint ist hierbei das sechste der Chakras in der Kopfmitte. Es strahlt aus zum Trikuti, dem Punkt zwischen den Augenbrauen. Unser drittes Auge korreliert mit dem gesamten Gehirn und steuert außerdem die Hypophyse. Es steht in enger Verbindung mit dem Geisteselement und wird als Sinn dem Denkprinzip zugeordnet. Vorherrschende Gottheit ist einmal mehr Shiva als gütig Liebender. Wenn du auf das Ajna-Chakra meditieren möchtest, dann nutze das berühmteste aller Bija-Mantras “om” oder visualisiere als Yantra ein Dreieck in einem Kreis. Dieses Energiezentrum besteht aus zwei weißen oder auch indigo-violetten Blütenblättern, die den beiden Hauptnadis Ida und Pingala entsprechen. Falls dein Ajna-Chakra aktiv ist, kannst du das häufig als leichtes Pulsieren im Stirnbereich wahrnehmen. Dabei erhältst du sowohl Zugang zum Intellekt als auch zur Intuition und verspürst einen tiefen Drang nach Erkenntnis, Befreiung und Selbstverwirklichung.

Sahasrara – das Kronenchakra

Symbol des Sahasrara-Chakras
Sahasrara-Chakra

Das höchste aller Chakras befindet sich an der Oberseite des Kopfes auf dem Scheitel. Es korreliert mit der Zirbeldrüse und den höheren Hirnfunktionen. Symbolisiert als tausendblättriger Lotus, der in verschiedenen Farben erstrahlt, bildet es das verbindende Element zwischen dem Unendlichen und dem Individuum. Hier endet auch unsere feinstoffliche Wirbelsäule und bildet eine Einheit mit dem Absolutem. Dadurch sind Individuen in der Lage sich für das Höhere, das Göttliche zu öffnen und sich mit dem Unendlichen zu verbinden. Da das Chakra für das Transzendente steht, befindet es sich jenseits von allem Konkreten – also sprich Gottheiten, Tieren oder Bija-Mantras.

Aktivierung der Chakras

Die Chakras lassen sich durch verschiedene Methoden beleben, harmonisieren und ggf. ins Gleichgewicht bringen. Dabei können vielfältige Meditationstechniken oder Affirmationen behilflich sein:

  • Muldhara: visualisiere einen Berg oder einen Baum, dessen Wurzeln in die Erde ragen, während du das Bija-Mantra “lam” wiederholst. Darüber hinaus kannst du dir auch das entsprechende Yantra veranschaulichen oder eine positive Affirmation formulieren: “Ich bin gut verwurzelt”.
  • Svadhisthana: visualisiere einen Fluss, einen Bach oder einen Wasserfall und wiederhole das Bija-Mantra “vam”. Als Affirmation kannst du hierzu folgendes verwenden: “Ich finde Zugang zu mir selbst” oder “Ich fließe mit der Strom des Absolutem”.
  • Manipura: visualisiere eine Sonne, ein Feuer oder einen Vulkan und wiederhole dabei das Bija-Mantra “ram”. Als Affirmation kannst du dir sagen: “Ich bin positiv und mutig”. Darüber hinaus kannst du dein Solarplexus auch mit Zeremonien wie Arati oder Homa stärken.
  • Anahata: spüre während der Meditation in dein Herz hinein und wiederhole dabei das Bija-Mantra “yam”. Mit Ritualen wie Pujas öffnest du dein Herz. “Ich finde Zugang zu Freude und Liebe” – kannst du als Affirmation verwenden.
  • Vishuddha: visualisiere den Weltraum und das Universum. Wiederhole dabei das Bija-Mantra “ham” und die Affirmation: “Ich bin eins mit allen Wesen”.
  • Ajna: visualisiere ein weißes Licht in der Meditation, wiederhole dabei das Bija-Mantra “om” und die positive Affirmation: “Ich vertraue auf meine Intuition”.
  • Sahasrara: fokussiere dich auf das Licht an der Schädeldecke und wiederhole dabei die positive Affirmation: “Ich öffne mich für den Empfang der göttlichen Gnade”. Im Vedanta wird auch häufig “Aham Brahmasmi” (ich bin Brahman) als einer der vier Mahavakyas rezitiert.

Fakt oder Fiktion?

Neben den sieben Hauptchakras existieren noch weitere, die in den Handinnenflächen und Fußsohlen lokalisiert sind. Viele von ihnen entsprechen wichtigen Akupunkturpunkten. In der Schulmedizin ist die Chakra-Theorie umstritten. 
Vielleicht hast du irgendwann einmal etwas tief in dir drin wahrgenommen – ein Gefühl, eine Emotion – was dich völlig irritiert hat. Eventuell hast du ja ein Chakra aktiviert ohne, dass es dir bewusst war? Sobald eines dieser Energiezentren blockiert oder aus dem Gleichgewicht geraten ist, kann das zu schweren emotionalen Problemen führen. 
An etwas zu glauben, was wir nicht optisch darstellen können, fällt gerade uns Westlern schwer. Ich muss zugeben auch ich hielt es für abwegig, bis ich eines Tages in der Meditation mein Anahata-Chakra wahrgenommen habe. Seitdem habe ich mich gezielt mit der Thematik auseinandergesetzt und arbeite stetig daran meine Chakras intensiver zu spüren. Wie immer gilt auch hier: sammle deine eigenen Erfahrungen und bilde dir deine Meinung. Om shanti 🙂

Was hältst du von der Chakra-Theorie? Glaubst du, dass sie sowohl unseren Energiekörper als auch physischen Organismus beeinflussen oder hältst du das Ganze für fernöstliche Esoterik? Vielleicht arbeitest du ja auch gezielt mit deinen Energiezentren und nimmst sie aktiv wahr? Teile gern deine Gedanken und Erfahrungen in den Kommentaren.


Quellen:

Die dargelegten Informationen entstammen den Mitschriften meiner Yogalehrerausbildung bei Yoga Vidya in Bad Meinberg, meinen persönlichen Erfahrungen sowie der nachfolgenden Literatur:

  • Sivananda, S.; Vishnu-Devananda, S.; Bretz, S.; Attner, A.; Hübner, N.; Ulbricht, K.; Groh, P.: Yogalehrer/innen Handbuch, 18. Auflage, Yoga Vidya Verlag 2018
  • https://www.yoga-vidya.de/chakra/

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