Gewürze – exotisch, sagenumwoben, heilsam

Gewürze statt Geschmacksverstärker

Zauber der Gewürze: exotische Düfte, außergewöhnliche Geschmacksnuancen, eintauchen in entlegene Welten – Gewürze verführen nicht nur unsere Nasen und Gaumen oder verfeinern unsere Speisen, sondern entfalten auch oftmals kurative Wirkungen. Bereits im Mittelalter waren sie der Motor für Kriege und Entdeckungsreisen. Glücklicherweise finden wir sie heute in jedem gut sortierten Biomarkt, so dass auch die exotischsten Gewürze in großer Anzahl zu unserer Verfügung stehen, denn ohne diese großartigen Aromaträger wären meine Rezeptkreationen undenkbar. Nachfolgend stelle ich dir meine absoluten Favoriten vor. Neben den obligatorischen Salz- und Pfefferstreuer sowie Oregano, Thymian und Rosmarin, welche ich bereits bei den frischen Gartenkräutern portraitierte, verwende ich noch folgende Gewürze im getrockneten Zustand:

Chilipulver

Gemahlene Chilis
Chilipulver
  • Botanik: Die Chilipflanze gehört zur Familie der Solanaceae (Nachtschattengewächse). Das Pulver wird aus den getrockneten und fein gemahlenen Schoten gewonnen. Je nach verwendeter Ausgangssorte werden unterschiedliche Scoville-Werte erreicht – von relativ mild (z.B. Anaheim) bis feurig-scharf (z.B. Carolina Reaper).
  • Inhaltsstoffe: Vitamine (C, E), ätherische Öle, Carotinoide, Alkaloide (Capsaicin), Flavonoide (Hesperidin, Rutin)
  • Verwendung: Erst durch meine Vitalkost-Ernährung habe ich Chilis schätzen und lieben gelernt. Denn so wurde mein Geschmack gereinigt und mein Körper regelrecht „entzuckert“, so dass ich mittlerweile sehr gern scharfe und würzige Speisen zu mir nehme. Vorzugsweise verwende ich es für Currys, Rohkostcracker und Kartoffelgerichte. Ein weiterer sehr beliebter Trend: Chili-Schokolade. Wir ernten unsere Chilis, fädeln sie auf einer langen Kette zum Trocknen auf und platzieren sie im Gewächshaus. Wenn die Feuchtigkeit komplett entzogen wurde, fülle ich sie in meinen Blitzhacker und stelle daraus das Pulver her.
  • Wirkungen: Chilipulver gehört zu einem der gesündesten Gewürze. Die Carotinoide besitzen antioxidative Eigenschaften, wirken als Radikalfänger, schützen unsere Körperzellen und stärken gleichzeitig das Immunsystem. Der Scharfstoff Capsaicin erweitert die Gefäße, fördert die Durchblutung und wärmt von innen (also perfekt für mich als Dauer-Frostbeule). Extern angewendet trägt es beispielsweise in Form von Pflastern zur Schmerzlinderung bei.

Currypulver

Currypulver
Currypulver
  • Botanik: Eine Currypflanze, aus der das Pulver gewonnen werden könnte, existiert in dem Sinn nicht. Vielmehr stellt Curry eine Gewürzkombimnation aus vielen unterschiedlichen Ingredienzien dar, die ursprünglich in Indien beheimatet ist. Die Farbe wird bestimmt durch den Anteil an Kurkuma (Gelbwurz), welche zur Familie der Zingiberaceae (Ingwergewächse) gehört.
  • Inhaltsstoffe: Curry kann über 30 verschiedene Bestandteile enthalten. Dementsprechend werden dir unzählige Zusammensetzungen über den Weg laufen. Jede indische Familie besitzt ihr individuelles (und oft streng gehütetes) Geheimrezept. Als typische Currybestandteile gelten vor allem Kurkuma, Chili, Pfeffer, Kardamom, Koriander, Nelke, Ingwer, Zimt, Muskat, Kreuzkümmel…
  • Verwendung: Curry zählt zu meinen absoluten Favoriten unter den Gewürzen und kommt dementsprechend ubiquitär zum Einsatz – ob in Gemüsepfannen, in Form von fruchtigen Saucen bzw. Dips, in Kartoffel- oder Quinoagerichten – ein absolutes Must Have für mich. Dabei spielt die kulinarische Richtung bei mir nur eine untergeordnete Rolle (egal ob ich mediterrane, asiatische oder karibische Speisen zubereite, Curry ist eine obligate Zutat). Doch ich beschränke das Anwendungsgebiet nicht nur auf Mittagsgerichte: ich integriere es auch sehr gern in Rohkostcracker.
  • Wirkungen: Die gute Nachricht – Curry dient nicht nur als absoluter Allrounder in der Küche. Es besitzt auch viele gesundheitsfördernde Eigenschaften. So wirkt es u.a. verdauungsfördernd, antientzündlich und trägt zur Stabilisierung des Cholesterinspiegels bei. Ein weiterer interessanter Aspekt: nach neuesten klinischen Erkenntnissen scheint Curry positive Effekte in der Krebstherapie aufzuweisen, indem es die Metastasierung hemmt und gleichzeitig das Tumorwachstum eindämmt.

Ingwer

Gemahlener Ingwer
Ingwer
  • Botanik: Ingwer gehört zur Familie der Zingiberaceae (Ingwergewächse).
  • Inhaltsstoffe: Vitamin C, Magnesium, Eisen, Calcium, Kalium, Phosphor, Scharfstoffe (Gingerol), ätherisches Öl, Harzsäuren
  • Verwendung: Ebenfalls eines meiner absoluten Lieblinge, wenn ich meinen Speisen eine exotische Note verleihen möchte. Das asiatische Kraut findet bei mir sowohl in gemahlener Form der getrockneten Wurzeln als auch frisch Anwendung in Gemüsepfannen, Crackern und Currys, ferner auch in Rohkosttorten, Müslis oder Cookies. Meine Mum würzt ab und zu ihre Suppen oder Tees.
  • kurative Wirkungen: Diese kleine unscheinbare Knolle liefert mehr als nur ein scharfes pikantes Aroma. Die appetitanregende und verdauungsfördernde Wirkung ist auf den Scharfstoff Gingerol zurückzuführen. Hauptsächlich angewendet wird Ingwer gegen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Blähungen und Koliken. In Form von Ingwertee verschafft die Knolle Linderung bei Erkältungen, Husten und Atemwegskatarrhen.

Kumin

Kreuzkümmel
Kumin
  • Botanik: Kumin – auch als Kreuzkümmel bezeichnet – gehört zur Familie der Apiaceae (Doldengewächse).
  • Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (Cuminaldehyd), Vitamine (A, B6), Calcium, Kalium, Magnesium, Eisen, Ballaststoffe, Harz, ungesättigte Fettsäuren
  • Verwendung: Während ich dem normalen Kümmel überhaupt nichts abgewinnen kann, löst dieses ähnlich klingende Gewürz aus der gleichen botanischen Familie bereits durch seinen intensiven charakteristischen Geruch absolutes Suchtpotential bei mir aus. Sein Aroma lässt sich schwer definieren. Kreuzkümmel schmeckt bitter-scharf und pikant-würzig bis erdig-herb. Er verleiht indischen und orientalischen Gerichten seine einzigartige Note, die du sofort herausschmeckst. Ich integriere dieses Gewürz immer in meine Currys, Falafel, teilweise auch in Gemüsebratlinge, Dips oder Rohkostcracker.
  • kurative Wirkungen: Kumin findet traditionell bei Magen-Darm-Erkrankungen (v.a. Durchfall, Blähungen, Appetitanregung) Anwendung. In der ayurvedischen Medizin wird es zur Blutreinigung sowie bei Leber- und Nierenstörungen eingesetzt.

Majoran

Gerebelter Majoran
Majoran
  • Botanik: Majoran gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).
  • Inhaltsstoffe: Kalium, Calcium, Magnesium, Vitamine (A, C), ätherische Öle, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Flavonoide
  • Verwendung: Majoran lässt sich extrem schwer im Garten kultivieren. Leider waren meine bisherigen Versuche dementsprechend von geringen Erfolgen gekrönt, so dass es mir hauptsächlich im getrockneten Zustand in Bio-Qualität zur Verfügung steht. Bekannt und verbreitet ist Majoran v.a. in der Wurstherstellung. Aus diesem Grund integriere ich es in mein Nusshack. Weiterhin dient es mir als Bestandteil meines Pizzagewürzes.
  • kurative Wirkungen: Aufgrund seiner enthaltenen Bitter- und Gerbstoffe wird der Majoran hauptsächlich bei Appetitlosigkeit, Durchfall und Blähungen angewendet.

Muskat

Gemahlene Muskatnuss
Muskat
  • Botanik: Bei der Muskatnuss handelt es sich um die getrocknete Frucht des Muskatbaumes. Dieser gehört zur Familie der Myristicaceae (Muskatnussgewächse).
  • Inhaltsstoffe: Kalium, Calcium, Magnesium, Vitamine (A, C), ätherische Öle, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Flavonoide
  • Verwendung: Muskat gehört bei mir zu diversen Kartoffelzubereitungen wie Bonnie zu Clyde. Ob in Pürees, Ofenkartoffeln, Bratkartoffeln, Currys oder Wedges – dieses Traumduo harmoniert perfekt. Auch bei Kürbis-, Süßkartoffel- und Spinatzubereitungen spielt das Gewürz eine entscheidende Rolle. Selbst in süßen Gebäcken findet es bei mir Anwendung – entweder als Monosubstanz in Cookies bzw. Muffins oder in Form von Gewürzmischungen wie z.B. im Lebkuchen-und Spekulatiusgewürz.
  • kurative Wirkungen: Traditionell wird die Muskatnuss bzw. das enthaltene Muskatöl bei Blähungen und Verdauungsproblemen, allerdings auch zur Bekämpfung rheumatischer Erkrankungen sowie Atemwegsbeschwerden angewendet.

Nelken

Gewürznelken
Nelken
  • Botanik: Bei den Gewürznelken handelt es sich um die getrockneten Blütenknospen des Gewürznelkenbaumes. Er gehört zur Familie der Myrtaceae (Myrtengewächse).
  • Inhaltsstoffe: ätherische Öle, Gerbstoffe, Flavonoide
  • Verwendung: Im Handel werden sowohl die getrockneten Knospen als auch die gemahlene Pulverform angeboten. Ich verwende Nelken bevorzugt als Bestandteil meiner Gewürzmischungen für Lebkuchen- und Spekulatiusgewürz sowie im Apfel-Rotkrautsalat. In der Profi-Gastronomie werden Nelken in Wild- und Schmorbraten, aber auch in Desserts eingesetzt.
  • kurative Wirkungen: Als wirksamkeitsbestimmende Komponenten werden die ätherischen Öle verwendet. Aufgrund ihrer spasmolytischen, antimikrobiellen, schmerzstillenden und beruhigenden Wirkungen finden sie bei Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Erbrechen, Appetitlosigkeit oder Schleimhautentzündung Anwendung. Der Gewürznelkenbaum wurde 2010 zur Heilpflanze des Jahres gewählt.

Paprikapulver

Paprikapulver
Paprikapulver
  • Botanik: Die Paprika gehört zur Familie der Solanaceae (Nachtschattengewächse).
  • Inhaltsstoffe: Kalium, Calcium, Zink, Magnesium, Vitamine (C, E), Carotinoide, Flavonoide
  • Verwendung: Im Handel werden sowohl die Varianten „edelsüß“ als auch „rosenscharf“ angeboten. Ich verwende vorzugsweise die dunklere, milde Version mit ihrem lieblich-süßen Geschmack. Ob in Woks, Pastagerichten oder Veggie-Currys – dieses Gewürz wird immer pauschal hinzugefügt.
  • kurative Wirkungen: Sowohl die Flavonoide als auch die Carotinoide besitzen antioxidative Eigenschaften, wirken als Radikalfänger, schützen unsere Körperzellen und stärken gleichzeitig das Immunsystem. Weiterhin regt die Paprika unseren Appetit an und unterstützt die Atherosklerose-Prophylaxe, in dem sie die Fließfähigkeit des Blutes verbessert.

Vanille

Gemahlene Vanille
Vanille
  • Botanik: Das Gewürz „Vanille“ wird aus den fermentierten Schoten der „Echten Vanille“ oder „Tahiti-Vanille“gewonnen. Diese gehören zur Familie der Orchidaceae (Knabenkrautgewächse).
  • Inhaltsstoffe: ätherische Öle, Vanillin, Vanillinsäure, Gerbstoffe, Schleimstoffe
  • Verwendung: Die „Königin der Gewürze“ besitzt ein ganz besonderes, unvergleichliches Flavor. Durch ihren speziellen und intensiv würzig-süßen Geschmack ist sie natürlich prädestiniert zur Verwendung in Desserts, Drinks und Backwaren. Egal ob in Muffins, Kuchen, Torten, Cookies oder auch als besondere Verfeinerung meines morgentlichen Müslis – Vanille gehört definitiv zu meinen absoluten Favorits. Backen ohne dieses geniale Gewürz wäre für mich undenkbar. Ich verwende sie hauptsächlich in gemahlener Form aus dem Bioladen meines Vertrauens. Bitte meide das chemisch erzeugte „Vanillin“. Auch Vanillezucker finde ich persönlich überflüssig. Das Aroma deiner Backwaren wird nur komplettiert durch die Verwendung des Originals.
  • kurative Wirkungen: Bereits bei den Azteken im alten Mexiko wurde die Vanille als Heilpflanze eingesetzt. Sie wirkt nicht nur aphrodisierend und stimmungsaufhellend, sondern gleichzeitig auch verdauungsfördernd, muskelstärkend und entzündungshemmend.

Zimtpulver

Zimtpulver
Zimt
  • Botanik: Den „Echten Zimt“ gewinnt man aus der Rinde des Ceylon-Zimtbaums. Dazu wird sie fermentiert und schichtweise zusammengerollt. Zimt gehört zur Familie der Lauraceae (Lorbeergewächse).
  • Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (Hauptbestandteile: Zimtaldehyd, Eugenol), Schleimstoffe, Gerbstoffe, Cave: Cumarin!
  • Verwendung: Die Weihnachtsbäckerei ohne Zimt? Absolut undenkbar! Allerdings wäre es sehr schade den genialen Allrounder nur auf dieses Anwendungsgebiet zu reduzieren. Denn als absoluter Zimt-Junkie wird das Gewürz mit dezenter süßlicher Note bei mir ubiquitär eingesetzt. Ob als Zutat im Apfelkompott, in Energiebällchen, in Fitness-Cookies, im Müsli bis hin zu Desserts oder auch in Currys: Zimt ist obligat. Da ich aufgrund meiner veganen Vitalkost-Ernährung relativ „entzuckert“ bin, reicht mir seine natürlich enthaltene Süße zur Verfeinerung von Desserts in Kombination mit Früchten wie Bananen, Datteln, Beeren oder Äpfeln völlig aus, so dass ich Zimt anstelle eines Süßstoffes zufüge.
  • kurative Wirkungen: In der ayurvedischen Medizin wird Zimt aufgrund seiner durchblutungsfördernden Wirkung als interner Wärmespender für den Körper eingesetzt (wahrscheinlich stammt daher meine Zimt-Passion). Weiterhin trägt er zur Stabilisierung des Kreislaufes bei. Die Zimtöle kurbeln nicht nur unsere Verdauung an, sondern stärken zusätzlich den Magen-Darm-Trakt. Aktuelle klinische Studien belegen, dass Zimt die Triglyceride sowie den Blutzuckerspiegel positiv beeinflusst. Wichtig: verwende nach Möglichkeit den helleren Ceylon-Zimt. Denn: dieser enthält nicht nur wesentlich weniger leberschädigendes Cumarin als sein preisgünstigeres Pendant der Cassia-Zimt – auch der Gehalt an wertvollen Aromastoffen ist deutlich ausgeprägter.

DIY Gewürzmischungen

Eine Ernährung ohne diese bereichernden Aromaträger ist für mich nicht vorstellbar, denn dank des Zaubers der Gewürze wird jeglicher Geschmacksverstärker komplett überflüssig. Aus den verschiedenen Einzelbestandteilen produziere ich dann meine hauseigenen Mischungen wie beispielsweise Pizzagewürz oder Lebkuchen- und Spekulatiusgewürz für die Weihnachtszeit.

Teile mir mit, welche Gewürze du in welchen Gerichten und Kombinationen am liebsten verwendest. Ich freue mich auf dein Feedback sowohl in den Kommentaren als auch in der Facebook-Gruppe.


Quellen:

Die dargelegten Informationen entstammen meinen Mitschriften aus den folgenden Vorlesungen meines Pharmaziestudiums an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena von 2003 -2007, meinen persönlichen Erfahrungen sowie der nachfolgenden Literatur:

  • Vorlesung: “Pharmazeutische Biologie” aus dem 1.-3. Semester – Dozent: Dr. Bernd Liebermann
  • Vorlesung “Anatomie” aus dem 2. Semester – Dozent: Prof. Dr. Christoph Redies
  • Vorlesung: “Physiologie” aus dem 3. Semester – Dozent: Prof. Dr. Hans-Georg Schaible
  • Vorlesung: „Ökotrophologie“ aus dem 4. Semester – Dozent: PD Dr. Volker Böhm
  • Vorlesung: “Phytotherapie” aus dem 6. Semester – Dozent: Prof. Dr. Thomas Winckler
  • Schneider, G.; Dingermann, T.: Arzneidrogen, 5. Auflage, Spektrum Verlag 2004
  • Dingermann, T.; Loew, D.: Phytopharmakologie, 1. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2003 
  • Bültjer, U.: Lexikon der Kräuter & Gewürze, 2. Auflage, Bassermann Verlag, 2015

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